Bluttests könnten die Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung künftig erheblich vereinfachen. Forschende der Universitätsmedizin Halle haben jedoch gezeigt, dass bestimmte Blutwerte nicht ausschließlich auf Alzheimer hinweisen. Für ihre Untersuchungen wurde die Forschungsgruppe um den Neurologen Prof. Markus Otto jetzt mit dem Theo und Friedl Schöller-Preis 2026 ausgezeichnet.
Die bereits 2025 veröffentlichte Studie mit 385 Teilnehmenden ergab, dass die als Alzheimer-Biomarker eingesetzten phosphorylierten Tau-Proteine p-Tau181 und p-Tau217 auch bei Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erhöhte Werte aufweisen können. Als mögliche Quelle identifizierten die Forschenden die Skelettmuskulatur. Erhöhte Blutwerte allein erlauben demnach keine eindeutige Alzheimer-Diagnose.
Neue Studie verbessert die Unterscheidung
In einer am 22. Oktober 2026 veröffentlichten Folgestudie entwickelte die Forschungsgruppe ein zweistufiges Messverfahren, das bestimmte aus dem Gehirn stammende Tau-Formen gezielter erfasst. Bei 315 untersuchten Personen ließen sich Alzheimer-typische Veränderungen dadurch zuverlässiger von ALS-bedingten Auffälligkeiten unterscheiden. Vor einem breiten klinischen Einsatz sind weitere Untersuchungen erforderlich.
Die Ergebnisse sind insbesondere für die gerontopsychiatrische und neurologische Diagnostik relevant. Blutbasierte Biomarker könnten bestehende Diagnoseverfahren künftig ergänzen. Voraussetzung bleibt eine sorgfältige klinische Einordnung, um Fehlinterpretationen und Fehldiagnosen zu vermeiden.