Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser bleibt angespannt. Nach der aktuellen Krankenhausstudie 2026 der Unternehmensberatung Roland Berger schlossen 73 Prozent der befragten Krankenhäuser das Geschäftsjahr 2025 mit einem Defizit ab. Bei 56 Prozent lag der Fehlbetrag bei mehr als zehn Prozent des Umsatzes.
Bemerkenswert ist, dass gleichzeitig 84 Prozent der Krankenhäuser ihre geplanten Jahresergebnisse erreichten. Ursache hierfür ist nach Einschätzung der Studienautoren auch, dass die Einrichtungen ihre erwarteten Verluste zunehmend bereits in der Wirtschaftsplanung berücksichtigen. Eine hohe Planerfüllung bedeutet damit nicht zwangsläufig wirtschaftlichen Erfolg, sondern kann auch das Erreichen eines von vornherein defizitär geplanten Ergebnisses widerspiegeln.
Auch die Liquidität bleibt angespannt: 45 Prozent der befragten Einrichtungen bewerten ihre Liquidität als gefährdet oder stark gefährdet.
Tarifrefinanzierung als wesentliches Erlösrisiko
Für 2027 erwarten die Befragten durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz durchschnittlich sieben Prozent geringere Erlöse. Als wesentliches Risiko nennen 73 Prozent die Streichung der Tarifrefinanzierung. Weitere häufig genannte Belastungsfaktoren sind ausgeweitete Prüfregelungen und der Wegfall pauschaler Zusatzvergütungen.
Investitionen werden verschoben
Als Reaktion auf den erwarteten wirtschaftlichen Druck setzen die Krankenhäuser vor allem auf Personalmaßnahmen und operative Einsparungen. 86 Prozent planen Personalmaßnahmen außerhalb der Pflege, 66 Prozent wollen Sachkosten reduzieren. Zudem beabsichtigen 56 Prozent, Investitionen zu verschieben oder zu streichen. Strukturelle Veränderungen werden mit 49 Prozent seltener genannt.
Für das Krankenhauscontrolling verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Erfüllung eines Wirtschaftsplans allein keine Aussage über die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Einrichtung erlaubt. Entscheidend ist vielmehr, ob das geplante Ergebnis langfristig tragfähig ist und welche Maßnahmen erforderlich sind, um die wirtschaftliche Entwicklung zu verbessern.
Die Studie basiert auf einer Befragung von rund 600 Führungskräften deutscher Krankenhäuser im Juni und Juli 2026. Die Ergebnisse sind nicht gesondert für psychiatrische Einrichtungen ausgewiesen.
Quelle: Roland Berger, Krankenhausstudie 2026 – Zeit für Entscheidungen: Neue Risiken für eine Branche unter Druck, Oktober 2026.