DIAKO Nordfriesland und die gesetzlichen Krankenkassen führen das Regionale Psychiatriebudget für weitere zehn Jahre fort. Die Vereinbarung ermöglicht eine flexiblere Verbindung unterschiedlicher Behandlungsformen. Zugleich soll die psychiatrische Unterstützung im häuslichen Umfeld ausgebaut werden.
DIAKO Nordfriesland arbeitet seit 2009 mit dem Regionalen Psychiatriebudget. Nach Angaben des Trägers schafft die jetzt vereinbarte Verlängerung eine langfristige Grundlage für die Weiterentwicklung der Versorgung. Über den Vertragsabschluss berichtete der NDR am 19. Oktober. Das Budget umfasste demnach im Jahr 2025 rund 18,4 Millionen Euro. Diese Angabe beschreibt das bisherige Finanzierungsvolumen, nicht die Höhe des neuen Vertrags.
Behandlung flexibler organisieren
Das Regionalbudget verbindet die Finanzierung stationärer, tagesklinischer und ambulanter Krankenhausbehandlung. Dadurch können Einrichtungen die verfügbaren Mittel stärker nach dem individuellen Behandlungsbedarf einsetzen und Übergänge zwischen den Angeboten erleichtern.
Mit der Vertragsverlängerung will DIAKO insbesondere die aufsuchende Versorgung stärken. Im „Riddorfer Modell“, kurz RIMO, begleiten psychiatrisch qualifizierte Pflegekräfte Patienten vor und nach einem stationären Aufenthalt in ihrem persönlichen Lebensumfeld. Ziel ist es, Krisen frühzeitig aufzufangen und vermeidbare Wiederaufnahmen zu reduzieren. Ob und in welchem Umfang der Ausbau diese Ziele erreicht, muss sich in der Versorgungspraxis zeigen.
Forschung zeigt Potenzial und Unterschiede
Wissenschaftliche Untersuchungen vergleichbarer Finanzierungs- und Versorgungsmodelle liefern Hinweise auf Vorteile. Eine 2024 veröffentlichte Auswertung aus dem Forschungsprojekt EVA64 untersuchte 36.069 Patienten aus zwölf Modellkliniken und zugeordneten Vergleichskliniken. Sie fand bei Erwachsenen eine günstigere Entwicklung der vollstationären Behandlungstage und eine bessere Behandlungskontinuität. In vielen Modellkliniken nahm die tagesklinische Versorgung stärker zu; bei ambulanten Kontakten unterschieden sich die Ergebnisse zwischen den Einrichtungen.
Die Untersuchung beruht auf Krankenkassenroutinedaten und einem Vergleich ohne zufällige Gruppenzuteilung. Sie belegt deshalb nicht, dass jedes Regionalbudget gleichermaßen wirkt oder weniger stationäre Behandlungstage automatisch eine bessere Versorgung bedeuten.
Die ergänzende PsychCare-Studie berichtete 2025 bei vergleichbarer Symptomschwere zunächst eine höhere Behandlungszufriedenheit und günstigere Bewertungen der persönlichen Genesung in Modellkliniken. Nach 15 Monaten bestanden diese Gruppenunterschiede jedoch nicht mehr; die direkten medizinischen Kosten blieben niedriger. Die Autoren sehen weiteren Forschungsbedarf zur langfristigen Wirkung. Beide Untersuchungen betreffen mehrere Modellstandorte und bewerten nicht den jetzt verlängerten Nordfriesländer Vertrag.
Lange Laufzeit allein sichert keine auskömmliche Finanzierung
Für die wirtschaftliche Bewertung sind neben der Vertragsdauer insbesondere die Budgetfortschreibung, die Berücksichtigung steigender Personal- und Sachkosten sowie Veränderungen des Versorgungsbedarfs entscheidend. Dazu enthält die veröffentlichte Mitteilung keine näheren Angaben. Aus der zehnjährigen Laufzeit lässt sich daher keine Aussage über die finanzielle Ausstattung während des gesamten Zeitraums ableiten.
Die Verlängerung schafft einen langfristigen vertraglichen Rahmen für die sektorenübergreifende Versorgung. Wie tragfähig dieser ist, hängt von den Finanzierungsbedingungen, der praktischen Umsetzung und den Behandlungsergebnissen ab.
Quellen
DIAKO Nordfriesland: Mitteilung zur Vertragsverlängerung – Angaben des Trägers zum Abschluss und zum geplanten Ausbau.
NDR, 19. Oktober 2026: Regionales Psychiatriebudget verlängert – Bericht über den Abschluss und das Budgetvolumen 2025 auf Grundlage von Trägerangaben.
Neumann et al., BMC Psychiatry (2024): Changes in patient care through flexible and integrated treatment programs in German psychiatric hospitals – Kontrollierte Routinedatenanalyse im Rahmen von EVA64.
Pfennig et al., Der Nervenarzt (2025): Ergebnisse der Multiperspektiv-Studie PsychCare – Untersuchung von Behandlungserfahrungen, Ergebnissen und Kosten vergleichbarer Modelle.
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