Komplexe KI-Modelle können depressive Rückfälle bislang nur begrenzt vorhersagen. Eine am 21. Oktober 2026 in JAMA Psychiatry veröffentlichte Untersuchung der Marburg-Münster Affective Disorders Cohort Study zeigt, dass zusätzliche Bildgebungs-, Genetik- und Biomarkerdaten keinen besseren Vorhersagewert lieferten als wenige etablierte klinische Risikofaktoren.
Untersucht wurden 564 Menschen mit aktueller oder früherer Major Depression. Innerhalb des zweijährigen Nachbeobachtungszeitraums erlitten 270 einen Rückfall; bei 294 trat kein Rückfall auf. Die Forschenden kombinierten Daten aus neun Bereichen, darunter klinische und psychometrische Merkmale, Magnetresonanztomografie, Genetik, neurokognitive Tests, Blutmarker und Darmmikrobiom.
Klinische Merkmale waren aussagekräftiger als komplexe Datenkombinationen
Das beste Modell erreichte eine ausgewogene Klassifikationsgenauigkeit von 64,43 Prozent (Balanced Accuracy). Es verwendete lediglich wenige klinische Risikofaktoren. Die Integration weiterer Datenarten verbesserte die Vorhersage nicht. Nach Einschätzung der Forschenden ist die Aussagekraft der Modelle für individuelle klinische Entscheidungen derzeit begrenzt.
Bedeutung für die Versorgung
Die Ergebnisse betreffen die Prognose von Rückfällen, nicht die Wirksamkeit KI-gestützter Behandlungen. Für psychiatrische Einrichtungen stellt sich bei entsprechenden Anwendungen die Frage, ob neue technische Verfahren einen nachweisbaren Zusatznutzen gegenüber einer strukturierten klinischen Einschätzung bieten. Die Studie liefert keinen Beleg dafür, dass einzelne Patientinnen oder Patienten allein anhand solcher Modelle zuverlässig einer Risikogruppe zugeordnet werden können.
Weitere Hintergründe: KI in der Psychiatrie: Chancen, Evidenz und Verantwortung.
Quelle: Teutenberg et al., JAMA Psychiatry, online veröffentlicht am 21. Oktober 2026, DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2026.3232.
KI-Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Die Verantwortung für den Inhalt trägt die Redaktion von Psychiatrie-News.de.